DEFAULT : Im Hohhaus Lauterbach
06.04.2023 08:18 (256 x gelesen)

Ernst-Eimer-Ausstellung zur Vernissage



Mit einem bemerkenswerten Vortrag von Professor Karl-August Helfenbein zu Ernst Eimer, den Umständen seines Lebens und Schaffens, sowie seiner Vernetzung mit Kunst, Pädagogik und Politik, wurde die Ernst-Eimer-Ausstellung zur Vernissage am 12. März im Hohhaus Lauterbach eröffnet und findet fortan jeden Tag neue Besucher und Freunde der Werke. Die historisch bedeutenden Gemälde des Vogelsberger Künstlers sollen bis zum 11. Juni 2023 in den Galerieräumen für Gäste des Museums ausgestellt bleiben. Auch zu den die Ausstellung begleitenden Veranstaltungen am 2., 8. und 26. April, sowie am 7. Mai wurde herzlich eingeladen. 

Lässt man den Tag der Vernissage Revue passieren, wurden die spannenden Ausführungen über Künstler Ernst Eimer, sein Leben, sein Werk und seine Bezüge zum Vogelsberg das Glanzlicht der gut besuchten Veranstaltung. Nach einer Anmoderation von Museumsleiter Till Hartmann begrüßte Professor Helfenbein im Publikum Christel Wagner als Leiterin der Ernst-Eimer-Stube in Mücke, sowie mit Wolfgang Wiehl „einen Mann, der immer für Ernst Eimer stand“. Der mittlerweile 93-jährige Professor beleuchtete durch umfassendes Hintergrundwissen Aspekte, die auch über 50 Jahre nach Eimers Tod noch ein lebendiges Bild von Eimer selbst zeichnen konnten, seinen Wert in der Chronik des historischen Oberhessens einordneten und Denkanstöße zur philosophischen Bewertung seines künstlerischen Schaffens boten. „Wenn man den Lebenslauf sieht, muss man Respekt haben“, erklärte Helfenbein, denn als Dorfjunge die Kunstakademien der Zeit um 1900 zu schaffen, sei eine enorme Leistung gewesen. Auch lobte er, Ernst Eimer sei „nach differenzierter Bewertung seines Gesamtwerkes ein Mann des Friedens und der Liebe“ gewesen und wies auf das historische Fehlen umfassender Darstellungen der Oberhessischen Landschaft hin. Mit letzterem erklärte Helfenbein Eimer zu einer „Rarität in der Bewahrung dieser Landschaft und seiner Menschen“, denn Eimer suche nicht wie Böcklin und Feuerbach die großen Gebäude, er suche nicht die klassische Landschaft, sondern er suche bewusst die einfache des Vogelsberges und habe sie hervorragend zur Darstellung gebracht. Lediglich ihn den „Oberhessischen Van Gogh“ zu nennen lehnte Helfenbein ab – dies sei hermeneutisch verzogen, da Eimer zwar die Härte des Lebens kenne, nicht aber das Elend. Hervorzuheben sei dagegen die Farbwahl des Künstlers: „Eimer ist ganz sicher in der Farbe und hat Farben gefasst, im Hellen und Dunklen, die ihn weit über das hinausheben, was man einen ‚Heimatmaler‘ nennen könnte“. Helfenbein zitierte hier sogar den Berliner Philosophen Wilhelm Weischedel und schrieb Ernst Eimer zu, „die Tiefen im Antlitz der Welt“ gesehen zu haben. Er stellte die Frage, ob es im Gelb des Kornes der Eimer-Bilder nur um die Farbe, oder nicht sogar um eine Stimmung und Existenzlage im Reflex über den Menschen ginge. Das faszinierte Publikum spendete herzlichen Beifall und bekundete in späteren Gesprächen, viele neue Aspekte bezüglich des Künstlers Ernst Eimer und seiner Zeit kennengelernt zu haben. Auch Helfenbeins politische Feststellung „Wenn ein Bauer oder ein Arbeiter erfährt, dass er im Bild darstellungswürdig ist, ist das ein Stück realisierter Demokratie!“ erntete merkliche Anerkennung.

Selbst Irmi Rauber, Kuratorin der Ausstellung, konnte dem Professor trotz umfangreicher Information und enger Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturverein der Ernst-Eimer-Freunde aus Groß-Eichen, kaum noch etwas hinzufügen. Sie bot einen kurzen Abriss der Lebensdaten Ernst Eimers, erläuterte ihre persönlichen Bezüge zu Eimers Werk und seiner Vita und lud die Gäste abschließend zur Begehung der Galerie-Räume ein.

Im Zentrum der Galerie grüßt bis Juni nun Ernst-Eimers Selbstporträt „Bildnis in der Sonne“. Weitere Bilder im ersten Raum der Ausstellung zeigen das bäuerliche Leben im Freien - der Geruch von Weidenkörben mit frischem Heu in einer Raumecke soll viele Betrachter noch tiefer in das Erleben dieser Welt eintauchen lassen. Auch Alltagsszenen in düsteren Innenräumen spiegeln das Landleben, hier gehen die Genreszenen in Porträts über. Dargestellt sind oft Familienmitglieder des Malers, die von den vielen Besuchern aus Groß-Eichen sofort zugeordnet werden konnten. Im zweiten Ausstellungsraum erinnert u.a. eine Vitrine mit Ausstellungsstücken an den vielseitigen Künstler, der nicht nur malte, sondern auch verschiedene Instrumente spielte, Bücher und Gedichte verfasste und diese auch wiederum illustrierte. Die Motive der Gemälde nehmen bewusst diese Themen auf. Zwei Stillleben und vier Ansichten seines Heimatortes Groß-Eichen, in den er später wieder zurückkehrte, runden die Ausstellung ab. Die Ausstellung kann ohne Aufpreis während der Öffnungszeiten des Museums besucht werden.

 Weitere Aktionen im Rahmen der Ernst-Eimer-Ausstellung im Hohhaus Lauterbach:

  • Sonntag, 2. April, 14-16 Uhr (Frühlingsmarkt): Familienangebot „performative Kunstbetrachtung“ – Bilder nachstellen und fotografieren
  • Ostersamstag, 8. April, 14-17 Uhr: Ostereier im Museum suchen – und in Ernst-Eimer Gemälden verstecken
  • Mittwoch, 26. April - Führung mit Irmi Rauber durch die Ausstellung mit Ausklang bei Salzekuchen, Kaffee und Kümmel. Für Vereinsmitglieder ist die Veranstaltung kostenfrei, Gäste zahlen 10 €. Anmeldungen sind im Büro des Museums ab sofort möglich.
  • Sonntag, 7. Mai, 16 Uhr: Beteiligung an der Aktion des Hessischen Rundfunks „Ein Tag für die Literatur“. Mundartlesung „Aus isem schine Vulsberg“ (Texte von Ernst Eimer)

  (Klick auf´s Bild!)


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