DEFAULT : Auge in Auge mit dem Künstler
08.05.2021 15:04 (545 x gelesen)

Der neugestalte Ernst-Eimer-Platz



 

Ernst Eimer Platz ist nun vollendet – sein Heimatdorf erinnert sich gerne

"Wenn ich nicht schreibe, male ich, und wenn ich nicht male, schreibe ich."

"Manche älteren Menschen aus seinem Heimatdorf Groß-Eichen erinnern sich noch gut an den Kunstmaler Ernst Eimer. Von stattlicher Figur, mit einem langen, schwarzen Mantel und einem breitrandigen Hut bekleidet, so sehen sie ihn vor sich. Er mochte sogar als Sonderling gegolten haben, mit dessen brotloser Kunst viele nichts anzufangen wussten. Für die Kinder stellte er ein Idol dar, und, wenn er mit seiner Staffelei draußen zu sehen war, hatten sie genug zu bestaunen und zu fragen. Oft war er in Begleitung eines zahmen, schwarzen Raben, den er "Hottowack" nannte“, so steht es liebevoll in seiner Chronik.

Ernst Eimer wurde am 14. Juli 1881 als zweiter Sohn des Bauern Christian Eimer und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Müller in Groß-Eichen, Vogelsberg, geboren. Er besuchte hier die Volksschule. Seine große Begabung zum Zeichnen und Malen zeigte sich schon im frühen Alter. Auf Wunsch seines Vaters erfolgte nach der Schule eine Ausbildung für ein Amt in der heimischen Molkerei. Doch Ernst Eimer konnte sein außergewöhnliches Maltalent unter Beweis stellen und wurde Kunstschüler an den Kunstakademien in München und Karlsruhe, wo er sein Studium als Kunstmaler 1909 beendete.
1911, inzwischen verheiratet, erbaute er ein Landhaus mit Atelier in Groß-Eichen. Hier wurde seine Tochter Elisabeth geboren.

Seine Vorgaben für seine künstlerischen Taten, entnahm er dem realen Leben. So wurde die harte Landarbeit bildlich dokumentiert und die damaligen Berufe wurden so malerisch dokumentiert. 

Auch Handwerk und Brauchtum gaben Ernst Eimer immer wieder Anregung für seine künstlerische Arbeit. So entstanden bedeutende Ölgemälde wie "Der Dengler", "Die Spinnerin", "Ährenleserin", "Die Kartenspieler", "Das Tischgebet", "Apfelernte", um nur einige zu nennen. Er malte den Pflug und die Kuhgespanne, das Pferdefuhrwerk und das Spinnrad mit einem außerordentlichen Talent der Darstellung und als Meister der Farbgebung. Er schuf auch Werke, die fröhliche Szenen darstellten, wie Kirmes oder Tanz oder die "Musikanten" und die "Vagabunden". Als junger Mann hatte er selbst mit Klarinette und Ziehharmonika in einer kleinen Musikkapelle bei dörflichen Festen gespielt. Ernst Eimer hatte eine hervorragende Beobachtungsgabe - seine Menschen und Tiere lebten, die Augen redeten, die Hände arbeiteten, die Tiere bewegten sich. Bis ins Kleinste, bis ins Detail genau erfasste er das Erscheinungsbild und gab allen Dingen, Menschen, Tieren und Landschaften eine Seele.

Nach seinem Kriegsdienst im 1. Weltkrieg, wo er zeitweise als Kriegsmaler arbeiten konnte, setzte eine reiche Schaffensperiode ein. Durch Radierungen, grafische Arbeiten, Kohlezeichnungen, Aquarelle, Lithografien und Buchillustrationen wurde Ernst Eimer weithin bekannt. Viel beachtete Kunstauststellungen in Berlin und Darmstadt, wo er sechzehn Jahre (1914 - 1930) lebte und arbeitete, zeigten seine Werke.

Seiner Zeit war er voraus. Er erfasste und illustrierte Kinderbücher. Gnome und Wichte hielten Einzug in die Bilder, die sogenannten Vorläufer der Comics. 
"Wenn ich nicht schreibe, male ich, und wenn ich nicht male, schreibe ich", äußerte sich Ernst Eimer zu seiner Arbeit.
Unvergessen sind auch die Mundartgedichte "Aus isem schine Vulsberg" und "Heitere Dorfgeschichten", wo er mit treffendem Humor "seine" Menschen zeichnete.

Durch den 2. Weltkrieg verlor Ernst Eimer die zeitweilige Wohnung in Frankfurt, wo ein Großteil seiner Werke vernichtet wurde. 1944 verstarb seine Frau Elisabeth.

Die letzten Lebensjahre verbrachte er in seinem Landhaus in Groß-Eichen. Er setzte sich aber noch lange nicht zur Ruhe. Ernst Eimer wirkte bei vielen kulturellen Veranstaltungen mit und las an Heimatabenden aus den Mundartgedichten und Erzählungen vor.

1958 wurde Ernst Eimer die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Groß-Eichen verliehen. Er starb am 3.Mai 1960 in Backnang/Württemberg und wurde auf dem Heimatfriedhof beigesetzt.

Schon vor vielen Jahren wurde der Ernst-Eimer Gedenkplatz angelegt und er war optisch in die Jahre gekommen. So engagierte sich der Ortsbeirat mit Ortsvorsteherin Petra Grün und federführend Tatjana Heller für die Umsetzung. Der Kunst & Kulturverein der Ernst Eimer-Freunde e.V. stellte einen Antrag beim Förderprogramm „Starkes Dorf“ und dann konnte man im Herbst 2020 den Platz offiziell einweihen.

Ernst Eimer Platz ist nun ein Schmuckstück

Von Seiten des Ortsbeirates wurde angeregt, dass noch eine Bildtafel von Ernst Eimer angebracht werden sollte. Beim Vorstand des Kunst- und Kulturvereins stieß man da auf offene Ohren und so wurde auch dieses Projekt ausgearbeitet und konnte nun vollendet werden. Der 2. Vorsitzende Joachim Horst leitete alles in die Wege.

Nun sieht man den Künstler Ernst Eimer mit einem großen Bild und die Daten seines Lebens sind zu lesen. Auf der anderen Seite der Pergola sieht man das Bild „Die Apfelernte“ aus dem Jahre 1931 und das herrliche und farbenfrohe Bild „Ängstlicher Wicht“ aus dem Jahre 1926.

Beim Einbau wurde Joachim Horst von Dr. Michael Grün und Jörg Eimer unterstützt und als Stromlieferant zeichnete sich der Nachbar Walter Zizka aus.

Um auch lange Freude an den Bildtafeln zu haben, sind diese aus Acrylglas und lichtgeschützt. 

Vorsitzende Christel Wagner, Nachfahrin des Künstlers, dankte den Mitstreitern für das so wundervoll gelungene Objekt und sprach allen Mitstreitern ihren Dank aus.
 

Foto v.l.n.r. Christel Wagner, Petra Grün, Tatjana Heller und Joachim Horst

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